"Für die adäquate Behandlung eines älteren Menschen brauchen wir ein großes Expertenteam"

Maria Reiter gehört für Johannes Ratermann und Michael Weber eher zu den dankbaren Patienten: die Operation ist reibungslos verlaufen, der Hei-lungsprozess schreitet gut voran – in wenigen Tagen bereits kann sie in die Geriatrische Rehabilitation verlegt werden. Fotos: hf

16.06.2016

Im Zentrum für Alterstraumatologie arbeitet ein interdisziplinäres Team daran, dass ältere Patienten nach einer Fraktur wieder auf die Beine kommen – ein trägerübergreifendes Projekt im Saarland

Saarlouis/Illingen. Maria Reiter war zu Hause gestolpert, hingefallen und hatte sich dabei ein Bein gebrochen. Die Operation ist reibungslos verlaufen und der Heilungsprozess schreitet so gut voran, dass die 76-Jährige bereits darauf wartet, in die Geriatrische Rehabilitation verlegt zu werden. Frau Reiter hat Glück im Unglück gehabt; denn für viele ihrer Altersgenossen hat so ein vermeintlich leichter Beinbruch, den ein junger Mensch in der Regel locker wegsteckt, fatale Folgen. Der alte Mensch verliert oftmals einen Teil seiner Selbständigkeit oder wird schlimmstenfalls gar zum Pflegefall. – Um dem wirksam begegnen zu können, haben Dr. Michael Weber, der Chefarzt der Unfallchirurgie des Marienhaus Klinikums in Saarlouis, und Dr. Johannes Ratermann, der Chefarzt der Geriatrie der Fachklinik St. Hedwig in Illingen, zum Jahresbeginn das Zentrum für Alterstraumatologie ins Leben gerufen. Gemeinsam arbeiten sie daran, dass ältere Patienten nach einer Fraktur wieder auf die Beine kommen. Wobei gemeinsam natürlich auch Internisten, Anästhesisten und Neurologen, die Pflege und Physiotherapie und den Sozialdienst mit einschließt. Denn „für die adäquate Behandlung eines älteren Menschen brauchen wir ein großes Expertenteam“, bringt es Johannes Ratermann auf den Punkt.

Gemeinsam bedeutet in diesem Zusammenhang übrigens auch trägerübergreifend; denn während Saarlouis eine klassische Marienhaus-Einrichtung ist, gehört Illingen zur ctt-Reha. Während andere über Kooperation oder Integration viel reden, machen Weber und Ratermann damit wie selbstverständlich Ernst. – Den Anstoß dazu hat übrigens Prof. Dr. Dr. Frank Michael Beil gegeben. Er leitet im Kollegialsystem mit Prof. Dr. Rolf Dein die Innere Medizin in den Marienhauskliniken Wadern-Losheim und ist ein ausgewiesener Fachmann in Sachen Altersmedizin.

Ein älterer Mensch, der beispielsweise mit einer Fraktur des Oberschenkels in die Klinik eingeliefert wird, muss natürlich bestmöglich operiert werden. Das steht außer Frage. Der Therapieerfolg hängt letztlich aber ganz entscheidend davon ab, dass er ganzheitlich behandelt wird. Welche (alterstypischen) Krankheiten hat er? Welche Medikamente nimmt er ein? – Die Probleme, die aus diesen und anderen Fragen erwachsen können, konnten die Unfallchirurgen bisher in der Regel alleine nicht lösen. Jetzt können sie dabei auf die kompetente Hilfe des Geriaters bauen. Deshalb untersucht heute auch Dr. Jörg Weinkauf jeden älteren Patienten, der in die Unfallchirurgie kommt, möglichst noch am gleichen Tage. Weinkauf ist Oberarzt der Inneren Medizin und besitzt die Zusatzbezeichnung Geriater. Und jeden Mittwoch kommt Johannes Ratermann nach Saarlouis, um zusammen mit Michael Weber auf der Alterstraumatologischen Station gemeinsam Visite zu machen.

So auch an diesem Morgen. Bevor sie die Patienten in ihren Zimmern besuchen, lassen sich Ratermann und Weber vom diensthabenden Stationsarzt (mit dabei auch die Pflege und der Sozialdienst) über den aktuellen Gesundheitszustand ihrer oft sehr alten Patienten informieren. Beide hören aufmerksam zu. Aber während Michael Weber eher nach Laborwerten fragt, legt Johannes Ratermann den Fokus mehr auf die Medikation, erklärt beispielsweise, auf welche langjährige Erkrankung ein spezielles Medikament gerade in dieser Dosierung hindeutet. – Da, so der Eindruck des Beobachters, sind Zwei unterwegs, die sich gut ergänzen.

Dieser Eindruck bestätigt sich beim Besuch in den Krankenzimmern. Da ist es eben auch ein unschätzbarer Vorteil, dass für den Geriater der Umgang mit desorientierten und/oder dementen Patienten viel mehr zum Alltag gehört als für einen Unfallchirurgen. Deshalb bestätigen die Mitarbeiterinnen aus der Pflege und der Physiotherapie, die hier mit dabei sind, auch gerne, dass sie dank dieser gemeinsamen Visite einen besseren Zugang zu den älteren Patienten gewonnen haben.

Was sie sich alle für die Station, auf der die Patienten des Alterstraumatologischen Zentrums behandelt werden, wünschen, ist ein Raum, in dem die unterschiedlichsten auch therapeutischen Angebote zur sinnvollen Beschäftigung der alten Menschen nach einem festen Stundenplan stattfinden. In die Arbeit dort würde man gerne auch noch Ergo- und Logotherapeuten mit einbeziehen. – Ideen, um den Behandlungserfolg bei den älteren Menschen zu sichern, gibt es genug.

Falls Maria Reiter ihre Geriatrische Rehabilitation in Illingen absolvieren sollte, dann würde sie übrigens auch Dr. Michael Weber wieder treffen. Denn freitags macht er dort seinen Gegenbesuch, um seine ehemaligen Patientinnen und Patienten unfallchirurgisch zu betreuen. Das ist nur konsequent; denn wie hat es Johannes Ratermann so treffend formuliert: „Für die adäquate Behandlung eines älteren Menschen brauchen wir ein großes Expertenteam“. – Das gilt für Saarlouis wie für Illingen. (Text: hf) weitere Fotos

 

Marienhaus Klinikum St. Elisabeth Saarlouis

Kapuzinerstraße 4
66740 Saarlouis
Telefon:06831 / 16-0
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Internet:http://www.marienhaus-klinikum-saar.de

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