Die erste Stunde ist entscheidend

Seit 2008 leistet das Marienhaus Klinikum in Saarlouis einen wichtigen Beitrag in der Schwerverletztenversorgung. Kürzlich wurde das Klini-kum als Regionales Traumazentrum rezertifiziert

Mitarbeiter des Notfallteams während der Terrorübung im November 2018, im Schockraum des Marienhaus Klinikums. (Foto: Heribert Frieling)

16.04.2019

Für rund 8000 Schwerstverletzte pro Jahr in Deutschland ist die erste Stunde nach einem Unfall entscheidend, ob und wie ihr Leben weitergeht. Ein Klinik-Netzwerk, in dem das Marienhaus Klinikum in Saarlouis seit 2008 mitwirkt, optimiert diese Überlebenschancen der Patienten. Unter der Leitung von Dr. Michael Weber, Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie übernimmt es darin die Funktion eines Regionalen Traumazentrums und wurde hierfür erneut zertifiziert.

Um als regionales Traumazentrum anerkannt zu werden, sind besondere Strukturen und optimierte Abläufe für die Versorgung schwerverletzter Patienten, so genannter Trauma-Patienten, nach der Einlieferung ins Krankenhaus notwendig. Dabei spielt der zeitliche Ablauf eine wesentliche Rolle, denn für Schwerverletzte zählt die erste Stunde nach einem Unfall. Daher muss ein Regionales Traumazentrum neben der Möglichkeit einer 24-stündigen Aufnahme und Versorgung von Trauma-Patienten jeden Lebensalters, eine dem Versorgungsniveau angepasste diagnostische und therapeutisch-operative Ausstattung gewährleisten. Das bedeutet, dass regelmäßig Investitionen getätigt werden müssen, um den medizinisch-technischen Standard zu halten bzw. zu erhöhen. Erweiterte Dienstpläne, regelmäßige Schulungen und interdisziplinäre Besprechungen sind etabliert und werden ständig aktualisiert, um alle Mitarbeiter, die in diesen Prozess eingebunden sind, bestmöglich auf die Anforderungen vorzubereiten. Dieses Team besteht aus Mitarbeiter der Unfallchirurgie, der Anästhesie, der Ambulanz-, der Anästhesie- und Intensiv-Pflege, der Röntgenabteilung, des Labors und der Telefonzentrale.

Was bedeutet dies nun für den Alltag? – Dank eines festgelegten Ablaufes von der Ankündigung, der Einlieferung und der Behandlung eines Patienten im Schockraum (so heißt der Raum, in dem der Patient zunächst untersucht wird) werden alle personellen und technischen Ressourcen in einem solchen Notfall zur Verfügung gestellt. Damit dies geordnet abläuft, wurde ein Schockraum- Management entwickelt, welches von der DGU (Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie) zertifiziert wurde.

Als Regionales Traumazentrum kann das Marienhaus Klinikum von Lokalen Traumazentren Patienten übernehmen. Des Weiteren kooperiert das Krankenhaus mit der Neurochirurgischen Uniklinik Homburg. „Das hat den Vorteil, dass z. B. Röntgen-, CT- oder MRT-Aufnahmen per Internet nach Homburg geschickt werden können (Teleradiologie), damit dort sofort entschieden wird, ob der Patient in Saarlouis oder in Homburg weiter behandelt wird“ so Dr. Weber.

Verpflichtend für ein Regionales Traumazentrum ist die kontinuierliche Fort- und Weiterbildung zur Sicherung und Verbesserung der Versorgungsqualität. „In diesem Zusammenhang ist die Teilnahme an der sogenannten Task-Force-Terror-AG erwähnenswert, an der drei Unfallchirurgen aus unserer Klinik mit als erste teilgenommen haben“, erzählt Dr. Weber weiter. „In diesem Format werden das Management im Terrorfall und Versorgungs-Strategien im OP vermittelt. Dank dieser Schulung konnte unser Klinikum als eines von vier saarländischen Krankenhäusern an der von Innen- und Gesundheitsministerium initiierten Großübung (es wurde ein Terroranschlag an einer saarländischen Schule simuliert) teilnehmen.“

Damit leistet das Marienhaus Klinikum seit vielen Jahren einen wichtigen Beitrag zur Schwerverletztenversorgung im Saarland. (aoe)

 

Information

Im Jahr 2007 hat die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) den Beschluss gefasst, ein einzigartiges Projekt zu starten: Die Entwicklung von Trauma-Netzwerken in Deutschland. Ziel war, eine flächendeckende Verbesserung der primären Schwerstverletztenversorgung - vor allem nach Unfällen - zu erreichen. Das Netz soll überlebensnotwendige Zeit sparen und blitzschnelle Entscheidungsabläufe sollen nach Ankunft im Krankenhaus nicht von Erfahrung des Teams oder anderen Zufälligkeiten abhängen.

In einem Trauma-Netzwerk gibt es drei Versorgungsstufen: überregional, regional, lokal. Welche Stufe ein Krankenhaus erreicht, wird durch eine Begehung und anschließende Zertifizierung festgelegt.

Das Marienhaus Klinikum ist dem Trauma-Netzwerk Saar-(Lor)-Lux-Pfalz angegliedert und wurde kürzlich als „Regionales Traumazentrum“ rezertifiziert.

Im Saarland ist das Marienhaus Klinikum in Saarlouis, die einzige Klinik, die als Regionales Traumazentrum zertifiziert ist. Überregionale Traumazentren sind die Uniklinik Homburg und das Klinikum Saarbrücken am Winterberg. Das Marienkrankenhaus St. Wendel ist Lokales Traumazentrum. (aoe)

Marienhaus Klinikum St. Elisabeth Saarlouis

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