Chance auf ein normales Leben

Dank der Initiative „Hilfe für Einzelschicksale“ konnte „Pacifique I.“ aus Ruanda im Marienhaus Klinikum Saarlouis von Dr. Christian Bourgeois operiert werden.

Freuen sich über die erfolgreiche Operation: Pacifique I. aus Ruanda und Chefarzt Dr. Christian Bourgeois (Foto: Theresia Gehl)

23.08.2018

Anfang des Jahres erhielt Dr. Christian Bourgeois, Chefarzt der Klinik für Wirbelsäulenchirurgie einen nicht alltäglichen Anruf. Eine Kollegin die für die Organisation „Hilfe für Einzelschicksale“ tätig ist, hatte in Ruanda einen jungen Patienten zur Behandlung, der dringend einer Operation zugeführt werden sollte. Es handelte sich um Pacifique I. Er litt an einer stark ausgeprägten Wachstumsdeformation der Wirbelsäule, einer in der medizinischen Fachsprache genannten „Idiopathischen Skoliose“ mit einer Verbiegung der Wirbelsäule von mehr als 80°.

Eine idiopathische Skoliose entsteht meist ohne erkennbare Ursache im Kleinkindalter und verstärkt sich während der Jugend in Zeiten starken Körperlängenwachstums, insbesondere während der pubertären Wachstumsschübe. Typisch dabei sind die Seitabweichung der Wirbelsäule von der Längsachse mit Verdrehung und Verformung der Wirbelkörper. Die Wirbelsäule bildet dabei in der Regel mehrere, einander gegenläufige Bögen, die einander kompensieren, um das Körpergleichgewicht aufrechtzuerhalten (S-Form). Ab einem gewissen Schweregrad der Verkrümmung kann die Wirbelsäule nicht mehr durch den Einsatz der Muskulatur aufgerichtet werden, die Betroffenen leiden unter Schmerzen. Wenn trotz konservativer Therapien (KG, Korsett) der Krankheitsverlauf weiter fortschreitet, kann nur noch eine Operation helfen.

Dies war bei Pacifique I. der Fall. Da sein Wachstum abgeschlossen war (er konnte während des Krankenhausaufenthaltes seinen 20. Geburtstag feiern), konnte er operiert werden. „Nachdem ich die mir zugesandten Röntgen-Bilder gesehen hatte, war sofort klar, dass mit Hilfe einer Korrektur-Operation eine Begradigung der Wirbelsäule in diesem jungen Alter noch möglich ist “, erläutert Dr. Bourgeois. Der erfahrene und überregional bekannte Wirbelsäulenspezialist wollte die Operation durchführen. Und gemeinsam mit der Krankenhausleitung, der „Initiative für Einzelschicksale“ und weiteren Kooperationspartnern wurde die Finanzierung des Eingriffes geregelt und die bürokratischen Hürden genommen.

Am 6. Juni wurde Pacifique I. im Marienhaus Klinikum in Saarlouis aufgenommen und am 8. Juni operiert. „Während des dreieinhalbstündigen Eingriffs wurde die Verkrümmung aufgerichtet und die Rotation beseitigt“, erklärt Dr. Bourgeois. „Dann haben mein Team und ich das Ergebnis der Korrektur mit Implantaten befestigt und die Wirbelsäule versteift“. Während der Operation wurde jeder Handgriff mittels Neuromonitoring überwacht, um eine Schädigung des Rückenmarks zu verhindern.

„Die Operation verlief sehr erfolgreich“, freut sich Dr. Bourgeois, „nach etwa zwei Wochen Krankenhausaufenthalt und physiotherapeutischen Behandlung konnte Pacifique I. schmerzfrei entlassen werden. Mit einer entsprechenden Nachbehandlung in Ruanda hat er nun eine gute Chance auf ein normales Leben“.

Röntgenaufnahmen der Wirbelsäule vor OP

Röntgenaufnahmen der Wirbelsäule nach OP

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